5- Kultur als Aufwertung?

Miete, Stadtentwicklung, Kultur als Aufwertungsmotor?
Stadtteilkultur im Aufwertungsprozess
Andrej Holm

15. März 2013
Gentrifizierung, Stadtentwicklung
[Segregation]
Für alle Interessierte

{ Da Andrej Holm aus persönlichen Gründen kurzfristig nicht zum abgesprochenen Termin erscheinen konnte, mussten wir improvisieren. In einvernehmlicher Absprache mit dem Publikum, das mit 15-20 Leuten zugegen war, zeigten wir Trailer aus dem Internet über die Problematik und Videointerviews mit Holm zum Thema. Anschliessend führten wir eine offen Diskussion untereinander.}

In der Arbeit von Andrej Holm wird die Aufwertung von Stadtteilvierteln untersucht. Die Konflikte die daraus entstehen, sowie die Antworten der Nachbarschaften durch Proteste, Vernetzung und Mobilisierungen werden von ihm in seinem Blog gesammelt: http://gentrificationblog.wordpress.com/.
Der altbekannte Begriff der Gentrifizierung ist schon längst vom theoretischen Gebilde für Viele zur bitteren Realität geworden. Auch im Soldiner Kiez sind an einigen Ecken die Mietpreise ordentlich angezogen. Für uns als Künstler stellt sich natürlich die Frage, in wie fern spielt die Kultur/Kunst eine tragende Rolle in diesen Aufwertungs- und Stadtvermarktungsmodellen? Andrej Holm hatte uns im okk/raum29 zwei Jahre zuvor schon mal besucht und mit Nachbarn, Bürgermeister Hanke, Aktivist_innen und Künstler_innen, über ebendiese Aufwertung debattiert, die langsam aber doch letztlich im Kiez angekommen ist. Jedoch reicht es nicht, das Bewusstsein und die Sensibilität für diesen Sachverhalt als solchen zu haben, und die eigene Rolle in solchen Prozessen zu erkennen. Eine kulturelle Intervention von Künstler_innen und Kulturschaffenden kann ja per se nicht schlecht sein, oder? Diese und viele Fragen mehr tun sich auf. Wie kann man von kultureller Seite her eine Stütze im Kampf der Nachbarschaften um gerechte Mieten sein?
Es wurde auch über Verdrängungsprozesse gesprochen, also die „positive“ Entwicklung des Kiezes liegt darin, dass quasi ein Austausch der Anwohner durchgeführt wurde, die früheren Anwohner der „positiv entwickelten Bezirke“ wurden in außenliegende Stadtteilbezirke verdrängt, im Fall des Helmholzplatz zum Beispiel, nach Pankow und Wedding.

Also die Maßnahmen, die bis jetzt durchgeführt werden, lösen nicht das Problem, indem die Anwohner immer weiter in Richtung Stadtrand verdrängt werden und eine neue soziale-physische Landschaft entstehen wird. Das Problem verschiebt sich nur lokal an einen anderen Ort. Die Beobachtungen bei Stadtforschungen und Studien von „negativer Entwicklung“ werden oft auf Einwohner mit Migrationshintergrund bezogen.
Auch journalistische Beiträge beweisen meist stereotypes Verhalten, welches mehr über eine tief verwurzelte rassistische Gesinnung der meist gelesenen Zeitungen hin deutet, als auf fundamentierte Ursachenforschung als Basis für eine Veränderung in den sozialen und politischen Strukturen, die sich auch an Stereotypen und Legenden bedienen.
Solche beziehen sich zum Beispiel auf den„Problem Kiez“ als einen geografischen Ort, der sich als physischer Raum verbessert oder positiv entwickelt, die Anwohner werden aber nicht berücksichtigt, also die „Verbesserung“ des Helmholzplatzes z.B. im Vergleich mit dem Soldiner Kiez wird konzentriert auf die physische Veränderung des Ortes und die Entwicklung der Landschaft von Anwohnern angesetzt.

Fazit des Workshop war die Diskussion über solche, in Dynamik fluktuierender Prozesse aufrecht zu erhalten. Die Vernetzung der Aktivistischen Gruppen innerhalb des Kiezes und der Kieze untereinander über die Mietproblematik muss weitergeführt werden.

 

http://gentrificationblog.wordpress.com/

.

Comments are closed.