Video/Audio Interviews

INTERVIEWS

Die Reihe von Videos stellt ein repräsentatives Spektrum des soziokulturellen Feldes des Soldiner Kiezes dar. Wie bei jedem Modul des Projektes werden die Fakten von der soziokulturellen Struktur des Soldiner Kiezes (siehe Anhang, soziokulturelle Struktur) treu berücksichtigt um eine reale Landschaft des Soldiner Kiezes wahrnehmen zu können. Die Interviews sind auf der interaktive Kiez Karte, sowie in einer Extrarubrik auf der Website aufgelistet.

Viele der interviewten Personen (alles Akteure im Kiez) haben sich für mehr kulturelle Aktivitäten im öffentlichen Raum ausgesprochen. Mehr öffentliche Konzerte, öfter Straßenfeste an wechselnden Orten im Kiez, Straßenkünstler generell, sowie Gaukler oder Straßentheaterspiel oder auch Straßenmusikanten. Mehr Betonung auf folkloristische Bezüge der verschieden Herkunftsländer der Kiezbewohner. Es wurde auf die Sauberkeit im Kiez, insbesondere der Kinderspielplätze verwiesen. Generell ist auch die weitere Vernetzung der Akteure und Bewohner durch kulturelle Aktivitäten erwünscht. Stärkung der Kolonie Wedding.

http://www.youtube.com/user/KiezKulturNetz

Videointerviews:
Insgesamt wurden 35 Videointerviews mit Anwohnern und Arbeitern des Kiezes in ihrem Umfeld (Arbeit, Atelier, Büro, Wohnung, u.a.) durchgeführt. Pablo Hermann und Richard Clauss führten diese mit den unten aufgelisteten Parametern durch:

– 2 Deutsche (1F, 1M)  (1 über 45 Jahre alt, 1 unter 45)
– 4 eingebürgerte Deutsche  (2 Frauen, 2 Männer)  (2 über 45 Jahre alt, 2 unter 45)
– 4 Ausländer (2 F, 2 M)  (2über 45 Jahre alt, 2unter 45)

Die Interviewten haben eine direkte Beziehung zum Kiez [- Anwohner, – Berufstätig im Kiez, – Regelmäßige Besucher des Kiezes (Kulturelle Einrichtungen, Familie/Freunde, Lokale Wirtschaft….)]

Unter jedes „Packet“ von 10 Interviews sind:
1 Arbeiter, 3 Angestellte bzw. Beamte, 1 Selbständig, 1 Hausfrau, 1 Student, 1 Arbeitslose und 2 Rentner. Jedes Interview dauert zwischen 1 bis 9 Minuten.

Am Anfang jedes geschnittenen Videos steht das Logo des KiezKulturNetz Projekt, Am Ende der Satz: „Im Rahmen des KiezKulturNetz Projekt“ Soldiner Kiez, dann die Kredite (Interviewer, Kamera…) und zum Schuss das Logo vom QM+EU+Bezirksamt…

Fragen Katalog für die Interviews:
Die Befragung werden eher als ein Dialog betrachtet, das die nächsten Fragen beantwortet:
*Etwas über die Person, Hintergrund und Beziehung zum Kiez (Anwohner, Berufstätig im Kiez, Regelmäßige/r Besucher/in des Kiezes) Falls es sich um einen regelmäßigen Besucher des Kiez handelt, dann was besucht sie/er? (Kulturelle Einr., Familie/Freunde, Lokaler Wirtschaft….)
*Was gefällt Ihnen am Kiez?
*Was würden Sie im Kiez ändern wollen? bzw. Was würden Sie neu sehen
*Was würden Sie überhaupt nicht ändern?

Information in Text von jedem Interviewten (zu lesen in den dementsprechenden Videos):
Name, Alter, Herkunft, Hintergrund und eine kurze Zusammenfassung der Interviews in einem oder zwei Absätze

Die Auflistung der Videointerviews mit der Transkription sind unter dem Channel von Youtube zu sehen und lesen:
https://www.youtube.com/user/KiezKulturNetz

Audiointerviews:
Stephanie Hanna führte über 30 kurze Interviews mit Senioren aus dem Kiez auf der Straße und im Seniorenheim Grüntal durch. Damit (unter anderen Sachen) wurde die Ausstellung „Weisen im Wedding – Rat für ein gutes Leben“ gestaltet. Diese Interviews sind auf der Interaktiven Karte unter dem Rubrik Interviews im „die Weisen im Wedding“, sowie auf der Website des Projektes www.kiezkulturnetz.net  in einem interaktiven online Plugin gestellt. Die sind in 6 Kategorien  geteilt: Glück, Freiheit, Gesundheit, Geld, Liebe und Rat.

Transkription der Interviews
„Die Weisen im Wedding. Interviews mit Leuten im besten Alter“
(Stephanie Hanna)

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„Ja, müssen Sie sich dann mit diesem Mann vermählen. Ja, genau. Kinder gebären (lacht), schöne Süße, lauter hier: mit Schnuller (lacht). Oder nicht?“
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„Also für mich ist ein gutes Leben wenn man eigentlich eine gute Wohnung hat, viel Geld und Arbeit auch hat und seine Familie da hat. Eigentlich geht man meistens mit der Familie raus – im Park oder so Grillen – aber manchmal bleibt man auch zuhause oder geht mit Freunden raus. Und das wär‘ eigentlich für mich ein ganz gutes Leben.“
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„Ein Vorschlag zu einem schönen Leben? Tja, da müssen Sie zu mir in den Palast reinkommen – meine… Luftschlösser-Paläste! Und sich dann von diesen Englein bedienen lassen. Das ist in einer türkischen Sauna, Bad, Riesenhalle, Palast eben. Vorstellungskraft! Wie hoch die Decken sind, die Kuppeln, ja? Kirche ist nichts dagegen. Kirche wird verschluckt von diesem Palast, so riesig.“
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„Was denn? Ich verstehe Sie jetzt hier nicht so…“ – „Was ist ein gutes Leben?“ – „Na, was hat man hier schon – ja, also von Rechts wegen – Gutes, von früh an, schon? Hm? Hm, hm? Ich kann ja nicht klagen.“ – „Und was gehört dazu?“ – „Naja, Salz. Bisschen Lebensfreude. Ja (lacht).“
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„Und jeden Tach ‚n paar mal lächeln.“

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„Freiheit, Gesundheit, … das sind die Hauptthemen. Und Partnerschaft, natürlich. Ich hatte ‚ne Partnerin, die ist verstorben und seitdem… hab‘ ich versucht, hier zu landen, bin hier auch zunächst ganz, äh, nett aufgenommen worden. Und dann hat das, äh, Bezirksamt gesagt, ich bin nicht mehr fähig, alleine zu leben und aufgrund dessen bin ich hier ‚n paar mal ausgebüxt. Weil ich mich hier zwar wohl fühle, aber wenn man mich einsperrt, fühl‘ ich mich nicht mehr wohl.“
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„Na das ist kein Altersheim hier, sondern ‚n Seniorenwohnheim, wat sehr gut ausjestattet is‘. Ich, und ja, die jüngeren Leute – so wie Sie und sowat – die wer‘n ooch jar nich erst, ja, jenomm‘, weil det ebend dementsprechend – obzwar es nicht schaden würde, wenn ooch ‚n paar Jüngere bei wären – aber det is ebend so. Na und heute is hier, äh, so Art wie ‚n Sommerfest, jedes Jahr veranstaltet. Det is jenauso wie wir mal ‚n Herbstfest, beziehungs‘ Weihnachten, Weihnachtsfeier machen und Ostern mal oder, naja, und wie det denn so die Feste, det wird, und inne‘ Woche is‘ zwei, drei Mal, is‘ ab vierzehn Uhr hier Kaffe-Zeit. Und det is‘ eigentlich det dat det so allet so bei [lacht, grummelt vergnügt] …
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„Sagen wir mal so, wenn Se mich direkt fragen, nach meiner Meinung: also ick bin vom Leben enttäuscht. Ja. Ehrlich. Ja [schnieft]. Und ob es überhaupt lebenswert is‘, hier auf dieser Welt hier… weeß man ja nich‘ [?, leise]. Hier is‘ nur Zank, Streit, Krieg, Mord und Totschlach… Is‘ det Leben? Nee.“
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„Also für mich ist, äh, Freiheit ist, äh, sehr wichtig im Leben. Äh, äh, ich bin vierunddreißig Jahre alt und habe ich jetzt keine Freiheit in mein Leben… Unsere Land ist sehr, sehr schlecht, politisch. Und hier auch, äh, in Deutschland, ja, für Ausländer, also Künstler auch, ist schwierig. Ich glaube, Leben ist: Freiheit für alle. So. Für, für schwarze Mann, schwarze Frauen, weiß oder egal, ja. Und, äh, ja, Spezialität in der Kunst, äh, also ich glaube, ähm, das ist sehr wichtig, aber für normale Leute auch, ist, äh, ich glaube, ja, also: wann eine Sache ist verboten, ist, dann, Freiheit ist, kann man nicht finden.“
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„Man darf in seinem Leben keine Fehler machen. Wenn man eine kleine Fehler macht, kommt man nicht so schnell raus. Ja.“
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„Wer bist du denn? Hm? Hm? Na, der geht nicht die… Treppen hoch. Der bleibt nur hier draußen. Der hat Angst. Hm? Und meine geht nich‘ runter. Det macht se nich‘, traut se sich nich mehr. Ja, ja.“

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„In la vita meliore e … un prima cosa e di la … che? Che?“ – „La salute.“ – „La salute!“ – „Ja, nich‘? Als allererstes ist Gesundheit das Wichtigste.“ – „E la famiglia al che…“ – „Ja, also sie sagt: die Familie ist wichtig und dass man sehr lange lebt. Ja. Das meint sie.“
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„Mahlzeit.“ – „Mahlzeit! Fragen Sie ihn mal, was Leben ist.“ – „Mahlzeit.“ – „Hör‘n Sie ihn mal, er sagt ja immer ‚Mahlzeit‘.“ – „Mahlzeit!“ – „Was is‘ Leben, hältst du denn vom Leben?“ – „Ich? Ich wär‘ lieber tot.“ – „Aber es muss ja weitergehen, wa?“ – „Mahlzeit!“ – „So, jetzt wollt‘ ick fast sagen…“ – „Is ooch ‚ne Zeit, wa?“ – „Ja ja, is‘ alles schick“ – „Mahlzeit.“ – „Alles is‘ schick.“ – „Mahlzeit.“ – „…is‘ ooch ‚ne Zeit.“
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„Jut essen, jut trinken, und sich wohlfühlen. So wat kann man auch mit ‚n bisschen Jeld machen.“

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„Haben Sie dem noch ‚was hinzuzufügen?“ – „Na, Sie müssen ‚ne Arbeit haben, oder, wenn Sie nicht haben: Arbeit suchen, …damit Sie ein schönes Leben machen können. Na, ohne Arbeit kannste nicht schön leben, ehrlich gesagt.“ – „Nee?“
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„Arbeit zu haben. Das is‘ wichtig, denk‘ ich mir mal. Wohnung. Familie. Denk‘ ich mir mal, is‘ das wichtigste von allem.“
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„Die junge Leute: später vielleicht kriegst du keine Rente. Jetzt… alle ist, dass sie bei Jobcenter ist, also… Für eins fuffzich arbeiten […]. Hm? Was machen wir da, spazier‘, rauchen, rauchen, rauchen, spazieren. Das ist das … sowas. Hat der Chef kriegte achtzig Euro. Am Tag. Bei mir hat er bezahlt für sechs Stunden: neun Euro am Tag!“
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„Hm. Ne vernünftije Rente. Äh. Pff. Ja.“ – „Bezahlbare Wohnung. Ja. Für uns Alte…“ – „Auskommen.“ – „Ja.“ – „Und dass uns Alten jut jeholfen wird.“
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„Geld (lacht). Ähm… Hmm, tolle Freunde, ähm, Haus …also ein Wohnung und, ähm… was zu essen. Reicht!“
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„Geld. Damit man abgesichert ist. Damit man tun kann, was man möchte. Reisen, zum Beispiel. Sachen kaufen, die man so braucht, um das Leben zu erleichtern. ‚Ne bessere Wohnung. ‚N besseres Auto. Besseres Essen. Geld reicht (lacht).“
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„Also entweder Lottogewinn, ‚ne reiche Frau oder reichen Mann kennenlernen, viel arbeiten und ich glaube ansonsten gibt’s nicht sehr viel Möglichkeiten. Oder Geld finden! Oder Bankraub (lacht).“

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„In einer Welt ohne Geld: was brauch‘ ich für ein gutes Leben?“ – „Gute Freunde. Äh, ‚ne gute, vernünftige Art zu lieben. Und ‚n sonniges Plätzchen.“ – „Was ist eine gute, vernünftige Art zu lieben?“ – „Jemand zu finden, ähm, mit dem man auch länger als dreißig Jahre zusammenbleiben könnte. Aber es lassen sich auch Leute scheiden, die fünfundvierzig Jahre verheiratet waren. Also so‘n richtiges Rezept scheint‘s da nicht zu geben.“
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„Und, hat se‘n Mann zuhause, der da mithilft?“ – „Nee.“ – „Nee, ooch, nich‘.“
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„Jaaa, ‚was spirituelles finden. Also etwas, woran man glauben kann, nich‘. Und immer … weitermachen, weil Selbstmord bringt‘s nich‘.“
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„Hallo. Ich suche Rat für ein gutes Leben. Was brauch‘ ich …für ein gutes Leben?“ – „Einen Mann.“ – „Einen lieben Mann. Wie finden Sie das? Ja, Sie müssen jeden, so Mann, so aussehenden Mann anklopfen und sagen, pass auf, ich will dich heiraten!“ – „Aber woher weiß ich, ob er auch lieb ist?“ – „Das wird sich schon feststellen (lacht).“

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„Gott, man kann sich ja Ratschläge anhören und muss sie ja nicht annehmen.“ – „Ja.“
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„Man kann allet Geld der Welt haben, nur eins kann man nich‘ kaufen: Zeit. Deswegen mach‘ so viel aus deinem Leben wie de kannst. Na, ick hab‘s nich‘ jemacht (lacht). Det is‘ gloob‘ick der beste Ratschlag. Zeit kann man nicht kaufen.“
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„Hallo?“ – „Ja. Ick hab eigentlich nischt zu sagen.“ – „Okay. Auch okay.“
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„Sie sind sicher, dass es ‚n schönet Leben gibt? Wo denn? … Naja… gut. Dann ham Se aber wirklich ‚ne Vorstellung, muss ick ehrlich sagen, also… (schnieft) Also ich bin der Meinung, es gibt kein schönes Leben. Nich‘, weil wir auf der Erde geboren sind, um zu arbeiten, um was zu tun. Gibt‘s gute Menschen? Nee, nich‘? Gloob‘ ich nich‘. Ich gloob‘s nich‘. Gibt vielleicht ‚n paar gute Menschen, mag ja sein. Will ich ja nich‘ abstreiten, aber…: was ist gut, was ist böse? Muss man sich immer die Frage stellen: was ist das (schnieft)?“

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10 AudioInterviews (und über 20 Soundscapes) von Fritz Schlüter und Christiane Schmid sind auf der Karte verzeichnet, sowie auf dem Channel von Soundcloud des Projektes zu hören:
https://soundcloud.com/kiezkulturnetz.