Umfrage

Umfrage

Fragebogen
Die thematischen Fragestellungen um den Begriff der Kultur fokussieren sich auf die Kultur im Kiez, sowie auf die Beziehung der Individuen und der Gruppen des Kiezes untereinander, und ihrem gesamten Interaktionsraum.

Diese Fragen symbolisieren die kulturellen Schichten die uns als Individuen umgeben und wurde nach den folgenden Kriterien der gezielten Fragestellungen erstellt und aufgebaut. Die Vorstellung von Individuum, Wohnung, Straße, Kiez, Bezirk, Stadt, Staat und Welt dient als visueller, methodologischer Leitfaden. Fragen, die von privaten Gesichtspunkten der Kultur (oder der Kulturempfindung) bis hin zu kommunitären Fragen kultureller Einbindung reichen. Das Individuum selbst in seiner nackten Existenz (persönliches/philosophisches Moment), seine Präsenz nach außen (Outfit, Kleidung, Gestus, Auftreten [was auch sehr durch die Verschiedenartigkeit von Kultur geprägt ist]),  sein Haus (Hausgemeinschaft / Community) und sein weitere Vorstellung nach außen. Die Familie (Familiäres Umfeld / Sitten, Bräuche, Religion), Umwelt (Kiez, Viertel, Stadt…)
Durch die Ergebnisse dieser Fragen wird ein Netz geknüpft, das viele Bereiche (mit Ideen, Vorschlägen, Utopien, Träumen) des Lebens einzelner Kiezbewohner mit ihrem unmittelbaren Umfeld verbindet. Ein Informationsteppich wird gewebt, welcher auch als Basis für die Internetplattform dienen wird und aus dem sich die Workshop Gruppen herauskristallisieren werden. Diese Informationen dienen zur Findung der künstlerischen Umsetzung (Motive / Symbolik / Figur) als auch, als Leitfaden für die endgültige Abstimmung ( Module). Die Fragen konzentrieren sich immer um den Begriff der Kultur (Privat vs. … öffentlich), kulturelle Teilnahme und Ideen von Einbringung. Wahrnehmung der soziokulturell historischen Kappen der Geschichte des Kiezes wird abgefragt.

Als Teil des Entscheidungsprozesses des Projektes werden durch Umfragen die Meinungen/Wünsche und Information über Beziehung zum Kiez, bei den Bewohnern und Arbeitenden im Kiez gesammelt, dadurch wird auch die Vorstellungen der Teilnehmer in Bezug auf privaten und öffentlichen Raum abgefragt.

Bis jetzt sind ca. 30 Umfragen von Judith Willkomm und Fritz Schlüter auf der Straße durchgeführt worden.

Im Laufe des September und Oktober werden noch ca. 100 Umfragen auf der Straße durchgeführt werden. Innerhalb des „Wochen der öffnen Tür – KiezKulturNetz“ (27.09 – 13.10.2013) und für das Kolonie Wedding Strassenfest (28.9.2013) werden verschiedenen Aktionen organisiert.

Umfragekasten
Um eine produktivere Teilnahme an den Umfragen zu gestalten haben wir verschiedene Umfragekästen entworfen und hergestellt. Die Gestaltung der Umfragekästen dienten nicht nur zur Teilnahme und des Einsammeln der ausgefüllten Fragebogen, sondern auch als Punkt für die Verteilung von Information des Projektes wie zum Beispiel durch Flyer und als klarer visueller Referenzpunkt des Projekts in den Räumen des Kiezes. Die Umfragekästen in verschiedenen Lokalen schienen nicht sehr erfolgreich für die Ernte der Umfragen zu sein, aber doch nützlich für konkrete Veranstaltungen.

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Ergebnisse der Umfragen:
Was würden Sie gerne verändern? …an sich Selbst
-„25 Jahre jünger.“
-„Abnehmen.“
-„Früher haben die Leute Hallo gesagt, heute haben sie Telefon.“ mehr direkter Kontakt
-„Initiative ergreifen.“
-„Job.“
-„Kleinkariertheit.“
-„Mehr Konsequenz.“

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrer Wohnung
-„‚N Balkon wäre schön. Mehr Raum und ein Keller.“
-„Aufräumen.“
-„Balkon; Schallschutz.“
-„Balkon.“
-„Besser isolierte Fenster, Renovierung Bad.“
-„Die Wohnung ist schön, aber schon im Treppenhaus hört‘s auf.“
-„Ein Fussballkäfig im eigenen Hof.“
-„Größe.“
-„Laute Musik, Schreie, Verkehrslärm.“
-„Mehr Licht.“
-„Mein Hauswart mag keine Ausländer.“
-„Renovieren.“
-„Wärmedämmung.“

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrer Straße
-„Alles Glücksspiel und alle Casinos abschaffen, die machen die Leute kaputt.“
-„Alles! Die Leute sind eklig, die wollen nur pöbeln.“
-„Die Leute schmeißen den Müll überallhin, das ist ihnen egal, vor allem in der Soldiner Straße und in der Koloniestraße.“
-„Die Soldiner Straße ist zu laut, zu stark befahren.“
-„Keine LKW; Sackgasse Berliner Kissen weg.“
-„Mehr Angebote für die Kinder in der Freizeit.“
-„Mehr Hoffeste und Nachbarschaftsfeste.“
-„Müll.“
-„Muss sauber werden.“
-„Niemand soll mich hauen oder nerven.“
-„Parkplätze weg.“
-„Weniger Müll. Bessere Fahrradwege.“
-„Zu viele Zigeuner. Die sind zu laut und zu dreckig.“
-„Zu viele Ausländer auf einem Haufen.“

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrem Kiez
-„Am Spielplatz hängen immer noch zu viele Alkoholiker und Drogenabhängige ‚rum.“ (Koloniestraße)
-„Casinos weg!“
-„Die Panke ist gefährlich für Kinder. Man kann reinfallen.“
-„Drogeriemarkt, Bioladen, gute Bäckerei.“
-„Eine gute Bäckerei.“
-„Mehr Angebote für die Kinder und Jugendlichen.“
-„Mehr Förderung! Die Begabungen der Kinder – sportlich, Tanz etc. – müssen viel mehr gefördert werden. Wir brauchen Kursangebote so wie in Kreuzberg oder Neukölln.“
-„Mehr Kultur, Cafés, Bioläden. Generell bessere Geschäfte.“
-„Mehr Zivilpolizei.“
-„Restaurants.“
-„Weniger Hundekacke.“
-„Weniger Müll auf den Straßen.“
-„Weniger Müll. Sperrmüllabholung an bestimmten Tagen wieder einführen.“
-„Weniger Müll.“
-„Zu viele Araber.“
-„Zusammenwachsen.“
-Die Alkoholiker am Netto-Parkplatz oder an der Panke wegen der Kinder
-wenig sinnvolle Interessen der Jugendlichen, „mehr Angebote, auch Sprachkurse“, mehr Bereitschaft zur „Integration“

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrem Bezirk
-„Auflösen in Wedding.“
-„Der Hort mit Hausaufgabenhilfe muss wieder konsequent eingeführt werden.“
-„Dreck.“
-„Ich will ein Gespräch mit Politikern führen.“ Kritik
-„Keine Identifikation mit dem Bezirk.“
-„Keiner kennt sich.“
-„Mehr Parkplätze.“
-„Mehr soziale Gerechtigkeit.“
-„Mehr Umweltbewusstsein.“
-„Stadtbahn statt Tram; Tempo 15.“
Fluglärm, Spielhöllen
schlechter sozialer Umgang

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrer Stadt
-„Dass das Geld regiert.“
-„Grober Ton.“
-„Mehr Arbeitsplätze.“
-„Mehr ÖPNV; schneller; 1. Klasse.“
-„Mehr soziale Gerechtigkeit.“
-„Nachts gehe ich ungern hier lang, seit ich einmal von Jugendlichen am U-Bahnhof belästigt wurde.“
-„Nix.“
-„Obdachlosigkeit, Kriminalität.“
-„Schulden streichen.“
-Hundescheiße, Sperrmüll und Müll auf der Straße

Was würden Sie gerne verändern? …an Ihrem Land
-„Alkohol verbieten, Marihuana legalisieren.“
-„Bessere regionale Strukturen, Basisdemokratie.“
-„Die Politiker.“
-„Eigentlich alles.“
-„Großmacht.“
-„Keine Zuwanderung.“
-„Mehr Solidarität.“
-„Mehr soziale Gerechtigkeit.“
-„Merkel weg.“
-„Sozialer.“
-„Weniger Steuern, sonst werde ich kriminell.“
-Besseres Fernsehen als RTL-Talkshows; „BILD-Zeitung und B.Z. müsste man verbrennen.“

Was würden Sie gerne verändern? …an der Welt
-„Direkte Demokratie.“
-„Jeder soll friedlich miteinander leben. Kein Krieg, kein Elend.“
-„Kein Hunger.“
-„Keine Kriege mehr. Mehr Freiheit.“
-„Keine Kriege mehr.“
-„Krieg, Gewalt, Aggression.“
-„Mehr Frieden.“
-„Mehr Klima- und Umweltschutz.“
-„Mehr Rücksicht.“
-„Mehr Sicherheiten.“
-„Mehr soziale Gerechtigkeit.“
-„Mehr Umweltschutz.“
-„Religion abschaffen. Mehr Ökologie.“
-„Weniger Ausrichtung auf Konsum und Materielles. -Weniger Ressourcenverbrauch.“
-Weniger Korruption
-Zuerst: „Man kann nix verändern wegen den Politikern.“ Dann aber doch noch: mehr Nächstenliebe, mehr Gerechtigkeit

Was soll so bleiben, wie es ist? …bei Ihnen Selbst
„Der Humor.“
„Fröhlichkeit.“
„Humor.“
„Mein Liebesleben.“
„Meine Art.“
„Selbstsicherheit.“
Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrer Wohnung
„Das Wohn- bzw. Sozialprojekt an der Panke ist super.“
-„Die Wohnung ist schön, aber schon im Treppenhaus hört‘s auf.“
-„Die Wohnung.“
-„Größe.“
-„Himmelblick.“
-„Meine Nachbarn.“
-„Meine Stelle als Hauswart.“
-„Miete.“
-„Preis, große Fenster.“
-„Preis/Miete.“
-„Sie ist günstig.“
-„Wohnungseinrichtung.“
-Grüner Hinterhof mit Spielplatz

Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrer Straße
-„Altbauten.“
-„Bunte Mischung.“
-„Der Panke Park oder ‚Olymp-Park‘.“ Das Pankebecken oder Franzosenbecken heißt ‚Olymp-Park‘, „weil es aussieht wie ein Olympiastadion“. Außerdem: „Die Atmosphäre der Straße ist lebendig“ (Wollankstraße).
-„Die ‚Freundlichkeit‘ der Kunden.“ Gemeint ist der typische rauhe Ton; die Aussage ist jedoch nicht ironisch gemeint, das ‚harte, aber herzliche‘ wird durchaus geschätzt.
-„Die Laternen.“
-„Die Nachbarschaftskontakte.“
-„Es ist ziemlich multikulti hier.“
-„Freunde. Ein Mann übersetzt Briefe für uns.“
-„Grüne Flecken.“
-„Ich mag das Essen und die Bäume.“
-„Mit dem neuen Spielplatz haben die Kids einen Treffpunkt.“ (Koloniestraße)
-„Ruhe, wenig Verkehr.“
-„Ruhe.“
Angenehmes Wohnen, Straßenleben

Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrem Kiez
-„Alle verschiedenen Menschen.“
-„Bevölkerung.“
-„Bewohner.“
-„Bunte Mischung.“
-„Der Zusammenhalt.“
-„Die Panke.“
-„Es gibt viele Spielplätze.“
-„Es ist hier nicht so überlaufen wie z.B. im F.schain.“
-„Ich bin stolzer Weddinger. Das ist hier mein Zuhause. Es gibt keine Ausländerfeindlichkeit, ist alles ziemlich multikulti hier. Wir haben doch alles hier. Es gibt viele Einkaufsmöglichkeiten, und das Gesundbrunnen-Center: noch besser geht’s nicht.“
-„Multikulturalität, keine Touristen und Hipster.“
-Einkaufsmöglichkeiten
-Es ist gut, dass mehr junge Leute zuziehen; die Mieten sind billig
-Gute Verkehrsanbindung und Einkaufsmöglichkeiten
relativ ruhig, viele Kinder
-Spielplatz für Kinder, viele „nette Leute“

Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrem Bezirk
-„Bibliotheken.“
-„Die Gelassenheit der Leute im Wedding.“
-„Es ist günstig.“
-„Früher sind die türkischen Leute zu schnell gefahren, aber die Straße ist jetzt kleiner, jetzt ist es besser.“
-„Herz und Schnauze.“
-„Leben auf der Straße.“
-„Verkehrsanbindung.“
-Billige Miete
-Es ist schön hier.
-gute Verkehrsanbindung

Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrer Stadt
-„Anonymität.“
-„Das ‚Bunte‘, die Vielfalt.“
-„Größe.“
-„Internationalität.“
-„Kultur.“
-„Künstler- und linksalternative Szene.“
-„Viele kleine Zentren / Kieze.“

Was soll so bleiben, wie es ist? …an Ihrem Land
-„Atomausstieg.“
-„Berlin.“
-„Chancen für junge Menschen; Reisefreiheit.“
-„Das System (Demokratie).“
-„Fast nichts.“
-„Gleichheit.“

Was soll so bleiben, wie es ist? …an der Welt
-„All is one.“
-„Dass sie sich dreht.“
-„Die Unterschiede.“
-„Die Vielfalt des Lebens, Erfahrungen.“
-„Die Vielfalt.“
-„Freiheit, Liebe, Glück.“
„Ich lebe gerne.“
„Mostly harmless.“
„Vielfalt der Menschen und Kulturen.“


Auswertung

Tendenzen:
• Es gibt tendenziell mehr Veränderungswünsche als positive Aussagen über den Kiez. Allerdings wird nicht alles negativ gesehen. Viele begreifen den Kiez im positiven Sinne als ihr Zuhause.
• Die billigen Mieten werden durchweg positiv gesehen.
• Der Kiez ist überschaubar, die Bewohner_innen kennen sich schnell, es gibt gut funktionierende soziale Netzwerke im privaten Bereich.
• „Multikulti“ bzw. die Vielfalt der Bewohner_innen bzw. „das Bunte“ am Kiez wird grundsätzlich eher positiv gesehen. Allerdings wird das enge, kulturübergreifende Zusammenleben z.T. auch problematisch gesehen, was sich – auch vonseiten von Bewohner_innen mit Migrationshintergrund – in der offenen Ablehnung von Randgruppen äußert („Araber“, „Zigeuner“).
• Mehrfach wird betont: Es sollte viel mehr kulturelle und sportliche Angebote für Kinder geben!
• Die vielen Grünflächen und Spielplätze werden sehr geschätzt. Allerdings gibt es hier z.T. auch „Alkoholiker“ und „Drogenabhängige“, die man ungern in der Nähe der Kinder sieht.
• Oft wird Bedauern darüber geäußert, dass es nicht sehr sauber ist und es vielen Leuten egal zu sein scheint, wo sie ihren Müll hinwerfen bzw. Sperrmüll abladen.
• Die gut erreichbaren Einkaufsmöglichkeiten werden mehrfach erwähnt und sehr geschätzt. Andere Leute nennen jedoch das Fehlen guter Bäckereien.
• Die Verkehrsanbindung wird mehrfach positiv hervorgehoben.
• Das hohe Verkehrsaufkommen, insbesondere auf der Soldiner und Wollankstraße wird kritisch erwähnt. Einzelne wünschen sich besseren Schallschutz (oder die Entfernung von vermutlich ebenfalls lärmverursachenden Einrichtungen wie dem „Berliner Kissen“).
• Der Umgangston im Kiez ist eher rauh; allerdings kann es gegenüber Menschen aus anderen Stadtvierteln Berlins auch als Auszeichnung begriffen werden, aus dem Wedding – und insbesondere aus dem Soldiner Kiez – zu stammen, gerade weil es hier so „hart“ ist.
• Die Politik ist zu weit weg, gleichzeitig ist man ihr ohnmächtig ausgeliefert: vor Ort leidet man z.T. Unter der Politik, kann aber selber kaum Einfluss nehmen.

Konkret geäußerte Wünsche nach Veränderung:
• mehr sportliche und kulturelle Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche!
• Glücksspiel und Casinos verbieten!
• weniger Müll auf den Straßen!
• Sperrmüllabholung an bestimmten Tagen wieder einführen
• es fehlt eine gute Bäckerei
• es sollte mehr Nachbarschaftsfeste geben
• ein Fussballkäfig im eigenen Hof
• die Panke muss gesichert werden, damit Kinder nicht hineinfallen können

Evtl. Schlüsselwörter:
Altbaubestand (Häuser, Laternen)
Arbeit
Chancen
Erholung
Esskultur
Freizeitangebote
Glücksspielverbot
Grünflächen
Herz und Schnauze
Internationalität
Jugendarbeit
Kriminalität
Kulturen
Kunst und Kultur
Lebendigkeit
mangelnde Sauberkeit
Mitbestimmung
Multikulti
Nachbarschaft
Niedrige Mieten
Panke
Politikferne
Rassismus
Ruhe
Solidarität
Soziales Engagement
Spielplätze
Verkehrslärm
Vielfalt
Weddinger Wir-Gefühl
Zusammenleben